Arbeitsmarkt-Kompass Q4/25: Ein Stimmungsbild zum heimischen Arbeitsmarkt mit internationalem Vergleich

Der aktuelle Arbeitsmarkt-Kompass Q4/2025, unsere Längsschnittuntersuchung in Kooperation mit Leitbetriebe Austria, zeichnet ein differenziertes Bild des Arbeitsmarktes zum Jahresende: Während die wahrgenommene Leichtigkeit, einen neuen Job zu finden, weiter sinkt, steigt gleichzeitig die Motivation, Leistung zu erbringen. Erstmals wurde der österreichische Arbeitsmarkt zudem in einen internationalen Vergleich mit sieben weiteren europäischen Ländern gestellt (Erhebungszeitraum: Jän. – Dez. 2025). 

Internationaler Vergleich: Österreich im soliden Mittelfeld

Im erstmals durchgeführten internationalen Benchmark (Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Slowenien) zeigt sich: Österreich liegt bei zentralen Arbeitsmarktindikatoren stabil im Mittelfeld.

55,2% der heimischen Beschäftigten empfinden es als (sehr/eher) leicht, aktuell einen neuen Job zu finden – ein Wert, der unter jenem von Deutschland (60,9%) und Slowenien (56,8%), aber über Frankreich (48,6%), Spanien (46,9%) und Italien (43,3%) liegt. Auch bei der Jobzufriedenheit zählt Österreich mit 82,7% zufriedenen Beschäftigten weiterhin zu den stabilen Arbeitsmärkten Europas.

Der internationale Vergleich zeigt sehr deutlich, dass sich die Herausforderungen am Arbeitsmarkt europaweit ähneln, allerdings mit unterschiedlichen Ausprägungen. Österreich steht im Vergleich solide da, gleichzeitig sehen wir aber auch hier eine zunehmende Verunsicherung, die kein isoliertes Phänomen ist, sondern Teil einer europäischen Entwicklung“, analysiert Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.

Prioritäten bei der Jobsuche in Österreich: Stabilität vor Zusatzleistungen

Bei der Jobsuche setzen Beschäftigte in Österreich zunehmend auf Sicherheit und Verlässlichkeit. Faires Gehalt bleibt das wichtigste Kriterium, gleichzeitig gewinnen ein gutes Arbeitsklima, Jobsicherheit und flexible Arbeitszeiten weiter an Bedeutung. Zusatzleistungen, Benefits oder idealistische Aspekte wie Selbstverwirklichung treten hingegen stärker in den Hintergrund. Die Prioritäten verschieben sich klar hin zu stabilen, planbaren Rahmenbedingungen.

Einfachheit, einen Job zu finden: Wahrgenommene Leichtigkeit sinkt weiter

Die Einschätzung, wie leicht es ist, aktuell einen neuen Job zu finden, verschlechtert sich weiter. Im vierten Quartal 2025 empfinden nur noch 51,3% der unselbstständig Beschäftigten die Jobsuche als leicht – ein neuer Tiefstand seit Beginn der Erhebung. Parallel dazu bleiben auch die Gehaltserwartungen bei einem Jobwechsel gedämpft. Die veränderte Wahrnehmung spiegelt eine wachsende Vorsicht und realistischere Einschätzung der Arbeitsmarktlage wider.

Motivation zu leisten steigt: Neue Leistungsorientierung etabliert sich

Gleichzeitig zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung: Die Bereitschaft, Leistung zu erbringen, nimmt zu. Eine klare Mehrheit der Beschäftigten (62,9%) identifiziert sich mittlerweile mit der Arbeitsphilosophie „Work hard, play hard“. Viele sind bereit, mehr Einsatz zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen, allerdings unter fairen und transparenten Bedingungen. Leistung wird angeboten, erwartet wird im Gegenzug Verlässlichkeit und Sicherheit.

Die Ergebnisse zeigen für Österreich eine klare Richtung: Der österreichische Arbeitsmarkt verliert an Leichtigkeit. Beschäftigte setzen stärker auf Leistung, Verlässlichkeit und realistische Perspektiven. In einem herausfordernden Arbeitsmarkt gewinnen klare Rahmenbedingungen und eine faire Balance zwischen Einsatz und Sicherheit massiv an Bedeutung“, so Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria. 

Fazit und Ausblick 2026

Der Arbeitsmarkt geht mit gedämpfter Dynamik, aber klaren Signalen ins Jahr 2026. Leichtigkeit sinkt, während Stabilität und Leistung an Gewicht gewinnen. Für Unternehmen bedeutet das: Wer 2026 Talente halten und gewinnen will, muss Verlässlichkeit bieten und Leistung fair honorieren. Für Beschäftigte rückt ein pragmatischer Zugang zur Karriere in den Vordergrund: weniger Illusion, mehr Orientierung, mehr Einsatz.

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