Journalisten Barometer der anderen Art

Welches Ereignis aus der Vergangenheit hätten Sie gerne journalistisch begleitet? Haben Sie schon einmal einen Artikel bereut? Das und Vieles mehr wollten wir von 580 Journalisten aus der D-A-CH-Region wissen.

Marketagent hat in seiner aktuellen Auflage der Studienreihe „Journalisten Barometer“ Medienvertreter aus Österreich, Deutschland und der Schweiz mit ein wenig Augenzwinkern gefragt, was sie in ihrem Beruf bewegt. Die Fragen, welche Redaktion sie am liebsten einmal für eine Woche übernehmen würden oder was sie während eines Interviews als besonders mühsam empfinden sind ebenso Thema, wie die erste Mondlandung oder Barack Obama. Lange Rede, kurzer Sinn: Die neueste Auflage des Journalisten Barometers ist eine Befragung der etwas anderen Art.

JournalistInnen übernehmen eine zugleich essenzielle sowie herausfordernde Rolle in der heutigen Gesellschaft. Was diese Berufsgruppe bewegt, beantworteten für den Marketagent Journalisten Barometer 2020 nun 580 Vertreter aus der D-A-CH Region (Österreich: 197, Deutschland: 294, Schweiz: 87). Knapp 9 von 10 können dabei aus mindestens 10 Jahren Erfahrung berichten. Denken sie an ihre eigenen Anfänge in der Medienbranche zurück, so rufen diese bis heute überwiegend positive Assoziationen hervor: Auf die Veröffentlichung ihres ersten journalistischen Werks blickt jeder Zweite mit Amusement oder Stolz zurück. Welche Idealvorstellungen und Wünsche, aber auch Hürden nun ihren aktuellen Alltag prägen, verdeutlichen die folgenden Ergebnisse im Detail.

Rasende Reporter: Das wünschen sich JournalistInnen

Wenn sie die Chance hätten, für eine Woche die Redaktion eines internationalen Mediums zu übernehmen, wäre „Die Zeit“ für knapp jeden fünften Befragten (18%) die erste Wahl. Je ein Zehntel würde „National Geographic“ und „Arte“ präferieren. Welche Destinationen aus Sicht der Befragten aktuell das spannendste Umfeld für den Journalismus bieten, ist stark vom jeweiligen Hauptwohnsitz abhängig. Für die heimischen ReporterInnen steht nicht etwa Österreich an erster Stelle, noch interessantere News würde ihnen die USA bieten. Im Gegensatz dazu bleibt für die deutschen und Schweizer JournalistInnen das eigene Heimatland die Destination der Wahl, erklärt Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.

Insgesamt träumen die ReporterInnen in Verbindung mit ihrer journalistischen Tätigkeit vor allem von einem: nachhaltig Spuren in der Gesellschaft zu hinterlassen. Etwa 4 von 10 wollen mit ihrer Berichterstattung etwas in Bewegung bringen, das Jahre später noch Menschen hilft. In Erinnerung zu bleiben und über etwas zu schreiben, über das noch Jahre später gesprochen wird, gehört ebenfalls zu den kühnsten Träumen der Befragten. Dementsprechend erfüllt es den ein oder anderen mit Bedauern, besondere Ereignisse der letzten Jahrzehnte verpasst zu haben. Ein Viertel hätte liebend gerne die erste Mondlandung journalistisch begleitet. Entscheidende Insiderinfos zu den Enthüllungen über den amerikanischen Geheimdienst von Edward Snowden sowie zu den gefälschten Hitler-Tagebüchern zu liefern, wäre das Highlight von rund jedem Fünften gewesen. Für die österreichischen MedienvertreterInnen steht jedoch ein einschneidender Skandal aus der heimischen Politik an erster Stelle: 3 von 10 wären gerne Teil der Aufdeckung der Ibiza-Affäre gewesen, zeigt Marketagent-Marketingleiterin Lisa Patek auf.

Wenn sie die Chance auf ein Exklusiv-Interview hätten, würden sich die Befragten am liebsten Barack Obama vor das Mikrofon holen (13%). Begehrte Interviewpartner wären außerdem Queen Elizabeth II (9%) sowie Papst Franziskus (7%). Doch ist ein Gesprächspartner auch noch so interessant, ein reibungsloser Ablauf hängt schlussendlich maßgeblich von dessen Verhalten ab. Antwortet der Interviewte ausweichend und geht er nicht auf die Fragen des Journalisten ein, gestaltet sich das Gespräch aus Sicht von jedem Zweiten als äußerst mühsam. Ein Drittel der Befragten sieht die Dynamik des Interviews speziell durch die Einmischung eines Beraters sowie unehrliche Antworten gestört. Auch das Verlangen von Geld dämpft die Stimmung der MedienvertreterInnen.


Kein Zuckerschlecken: Herausforderungen im Leben von JournalistInnen

MedienvertreterInnen kommen nicht nur mit mehr oder weniger umgänglichen Menschen in Kontakt, sie veröffentlichen ihre Beiträge zudem für ein großes Publikum – Fehler sind dementsprechend fatal für den eigenen Ruf. Das schlägt sich auf die Sorgen im Zusammenhang mit diesem Beruf nieder: Für jeweils jeden Zweiten gelten das Verbreiten von Fake News aufgrund des Vertrauens in eine falsche Quelle sowie die falsche Berichterstattung aufgrund mangelnder Recherche als berufliche Horrorszenarien schlechthin. In Sorge würde es die JournalistInnen zudem versetzen, wenn ihre Berichterstattung Personen in Gefahr brächte, über die berichtet wurde.

Insgesamt ist der Journalistenberuf kein Zuckerschlecken. Rund 4 von 10 Befragten waren zumindest einmal in ihrer Karriere kurz davor, das Handtuch zu werfen und komplett die Branche zu wechseln. Für den Großteil der MedienvertreterInnen steht dies jedoch nicht zur Debatte: 6 von 10 haben daran bisher noch keinen Gedanken verschwendet. Dieses Bild zeigt sich in der gesamten DACH-Region.

Was den Journalismus auszeichnet

Was braucht es nun, um in der Medienbranche zu bestehen? Das Um und Auf sind für mehr als jeden Zweiten vor allem Neugierde und Wissensdurst. Eine gute sprachliche Ausdrucksfähigkeit darf ebenfalls nicht fehlen. Entscheidend für eine Karriere im Journalismus sind zudem ein ausgeprägtes Allgemeinwissen sowie eine schnelle Auffassungsgabe. Für knapp jeden Dritten ist außerdem Sorgfalt im Zuge der Arbeit, von der Recherche bis hin zum Verfassen eines Artikels, essenziell.


Wie blicken die JournalistInnen nun selbst auf ihren Beruf? Welche Bedeutung schreiben sie ihrer Tätigkeit zu? Die MedienvertreterInnen aller drei Länder sind sich einig: Im Vordergrund steht für rund jeden Zweiten die neutrale Präsentation von Informationen für die Öffentlichkeit. Gut ein Drittel der JournalistInnen identifiziert sich zudem mit der Aufgabe, Missstände aufzudecken. Rund 3 von 10 verorten ihre Zuständigkeit in der möglichst schnellen Lieferung aktueller Informationen. Geschätzt wird zudem der persönliche Benefit: JournalistInnen haben die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Arbeit in für sie interessante Themen einzutauchen und in einen persönlichen Kontakt sowie Diskurs mit vielen verschiedenen Menschen zu treten, so Lisa Patek.

Insgesamt würden knapp 85% der Befragten den Beruf als JournalistIn auch aus heutiger Sicht wieder ergreifen wollen. Wir sehen hier erneut eine leichte Steigerung im Vergleich zu den vergangenen Journalisten Barometern. 2015 traf dies nur auf 7 von 10 zu, 2017 waren es bereits 83%. Allen Herausforderungen zum Trotz sind die Befragten offenbar zufrieden mit ihrer Tätigkeit, resümiert Schwabl.

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