Isolation ist nicht gleich Isolation

Ob Ein-Zimmer-Wohnung oder Einfamilienhaus, ob Säugling, Kleinkind oder Teenie im Haushalt ... die coronabedingte Isolation und wie man damit umgeht, wird maßgeblich von den Wohn- und Familienverhältnissen determiniert.

Die Maßnahmen aufgrund von COVID-19, insbesondere die Ausgangsbeschränkungen, werden von den Österreicherinnen und Österreichern bisher gut auf- und auch ernstgenommen. Klar ist jedoch: Isolation ist nicht gleich Isolation. Innerhalb der heimischen Bevölkerung lassen sich in Bezug auf die Wahrnehmung der Maßnahmen individuelle Unterschiede feststellen. Entscheidende Faktoren dafür, wie diese erlebt werden, sind einerseits die Größe des Wohnraumes, andererseits die Familienverhältnisse, wie das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent aus den Ergebnissen seines Isolationsreportes schließt. Eine kleinere Wohnfläche führt tendenziell dazu, dass die Zeit in der Isolation schwieriger auszuhalten ist. Auch Kinder im Haushalt stellen die Eltern in Corona-Zeiten vor einige Herausforderungen. Wie sich dies im Detail gestaltet, zeigen die Ergebnisse.

„Die Isolation und wie man damit umgeht, wird maßgeblich von den Wohn- und Familienverhältnissen determiniert“, erläutert Lisa Patek, Marketingleiterin von Marketagent. Ob eine Ein-Zimmer-Wohnung oder ein Einfamilienhaus zur Verfügung steht, ob Säugling, Kleinkind oder Teenie im Haushalt lebt, all dies schafft sehr unterschiedliche Situationen, in denen der Alltag nun gemeistert wird.

Mehr Wohnraum erleichtert das Isolieren

Grundsätzlich zeigt sich: Wenn das eigene Zuhause mehr Platz bietet, ist die Isolation leichter auszuhalten. „Insbesondere Personen, denen maximal 50 m2 als Wohnfläche zur Verfügung stehen, fällt die Decke tendenziell früher auf den Kopf und das Gefühl, eingesperrt zu sein, schlägt deutlich stärker durch“, beschreibt Lisa Patek die Ergebnisse weiter.



Interessanterweise zeigt sich dies, obwohl gerade jene Personen, die auf kleinerem Raum leben, im Vorfeld der Isolation vermehrt ihren Wohnraum umgestaltet und tendenziell häufiger in neue Freizeit-Produkte investiert haben. Dies trifft jeweils auf gut jeden Fünften mit maximal 50 m2 Wohnfläche zu, im allgemeinen Sample nur auf 14 bzw. 17 Prozent der Befragten. Trotz dieser Maßnahmen scheint das kleinere Heim weniger Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. So haben Personen auf wenig Raum häufiger mit Langeweile zu kämpfen. Zieht man in Betracht, dass in kleinen Wohnungen tendenziell mehr alleinstehende Personen leben, mag die aufkeimende Langeweile aber insbesondere auf das Fehlen eines Partners zurückzuführen sein und nicht notwendigerweise auf die Wohnfläche per se.

Es müssen somit andere Mittel und Wege gefunden werden, um fehlende soziale Kontakte zu kompensieren. Als äußerst wichtig stellen sich für Personen, die auf maximal 50 m2 wohnen, dabei die Spielkonsole sowie ein funktionierendes Internet heraus.

Sich auf Dinge zu konzentrieren, zu denen man sonst nicht kommt, scheint bei geringem Wohnraum aber eher weniger an der neuen Tagesordnung zu stehen. Im Gegensatz dazu nutzen all jene, die auf einer größeren Wohnfläche leben, die zusätzliche Zeit in der Isolation sehr gerne zu diesem Zweck. Denn: Je mehr Platz, desto höher schließlich auch der Aufwand, den Wohnraum instand zu halten. Gleichzeitig spielt vermutlich auch hier das soziale Umfeld eine Rolle – leben in größeren Wohnungen doch tendenziell mehr Personen, etwa Familien mit Kindern, wodurch im normalen Alltag gelegentlich die Zeit für anfallende Arbeiten fehlen kann.

Isolation ist kein Kinderspiel

Auch Familien mit kleinen Kindern treffen die Einschränkungen durch die COVID-19-Maßnahmen besonders hart“, so der Marketagent-Geschäftsführer Thomas Schwabl. „Abgesagte Freizeittermine, aufkommende Langeweile und das Fehlen gleichaltriger Freunde werden einschnürender wahrgenommen und legen die Nerven von so manchen Eltern blank. Diese vermissen dann auch restliche Familienmitglieder, allen voran die Großeltern und deren Unterstützung, deutlich stärker.



Dagegen kann offenbar auch die Vorbereitung auf die Isolation nicht immer etwas ausrichten: Vor allem Familien mit Kindern bis zum Volksschulalter und jünger haben öfter Hamsterkäufe gemacht und Produkte auf Vorrat gekauft. Ebenso wurde der Wohnraum angenehmer gestaltet. Wahrscheinlich um Kinderfrust schon im Vorfeld abzufedern, haben Familien mit Kindern im Kindergartenalter zusätzlich signifikant häufiger ihre Freizeit-Produkte aufgestockt. Um den Nachwuchs zu beschäftigen, wird nun gerne auch zu elektronischen und digitalen Hilfsmitteln gegriffen. Mit Kindern im Volksschulalter ist die Spielekonsole ein recht wichtiges Utensil gegen Langeweile-Frust. Auf Streaming-Dienste will man ebenfalls möglichst nicht verzichten, wenn Kinder bis 14 Jahre im Haushalt sind.

Unverzichtbar wird für Personen mit Kindern aber vor allem der eigene Partner bzw. die Partnerin. Während im gesamten Sample nur gut 44 Prozent die Isolation nicht ohne ihre bessere Hälfte verbringen wollen, betrifft dies unter den Eltern von 0 bis 2-jährigen Kleinkindern knapp doppelt so viele. Auch mit Kindergarten- und Volksschulkindern im Haushalt wollen mehr als 6 von 10 nicht ohne ihren Partner.

Etwas einfacher wird es für die Eltern erst, wenn die Sprösslinge älter werden. Beispielsweise wird die Möglichkeit, sich auf Dinge konzentrieren, zu denen man sonst nicht kommt, erst zu einem richtig positiven Aspekt in der Krise, wenn die Kinder im Haushalt mindestens 15 Jahre alt sind. Erst ab diesem Alter kommt auch etwas mehr Ruhe und Entspannung dazu. Trotzdem gestaltet sich das Zusammenleben auch hier nicht immer leicht. Besonders mit Kindern im Teeniealter kommt es verstärkt zu Spannungen im Zusammenleben und man geht sich häufiger auf die Nerven.

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