Hausarzt-Report im Zeichen der Coronakrise

Gemeinsam mit der INMED Ordinationsgemeinschaft haben wir Österreichs Erfahrungen, Erwartungen und Wünsche in Bezug auf Hausarzt-Besuche in Corona-Zeiten beleuchtet.

In der aktuellen Corona-Situation, in der Krankenhausbetten zu einem knappen Gut geworden sind, gilt vor allem der Hausarzt als wichtige Ressource, um das heimische Gesundheitssystem am Laufen zu halten. Das geht aus dem aktuellen Hausarzt-Report des Online Research Instituts Marketagent im Auftrag der INMED Ordinationsgemeinschaft hervor. Die Umfrage knüpft an die erste Welle von Jänner 2020 an, beleuchtet das Thema jedoch zusätzlich unter dem neuen Blickwinkel der Corona-Pandemie. 1.000 Österreicher berichteten von ihren Erfahrungen und Wünschen in Bezug auf praktische Ärzte sowie deren Behandlung und Beratung. Das Fazit: Trotz gewisser Bedenken innerhalb der Bevölkerung fungieren Hausärzte auch in Corona-Zeiten als wichtige, vertrauenswürdige Ansprechpersonen in Gesundheitsfragen, denen sogar ein besonderer Stellenwert in einer Gesundheitskrise wie der aktuellen zugeschrieben wird. Die Gewohnheiten der Österreicher in Puncto Arztbesuch blieben von der Pandemie insgesamt weitestgehend unbeeinflusst.

Der lokale Hausarzt gilt für mehr als drei Viertel der heimischen Bevölkerung als unentbehrlich, kann er doch den Gesundheitszustand seiner Patienten gut einschätzen und hinsichtlich des weiteren Vorgehens beraten. Gerade aktuell übernehmen Allgemeinmediziner jedoch eine weitere wichtige Funktion: „Aus der Sicht von mehr als 6 von 10 Österreichern tragen Hausärzte entscheidend zur Entlastung von Krankenhäusern und dem gesamten Gesundheitssystem bei und leisten dadurch einen unverzichtbaren Beitrag während der Corona-Pandemie“, beschreibt INMED-Geschäftsführer Dr. Jürgen Kern.


In guten Händen: Die Bedeutung von Hausärzten in Corona-Zeiten

Grundsätzlich statten die Österreicher ihrem Hausarzt im Schnitt 3 Besuche pro Jahr ab. Daran änderte auch die Corona-Pandemie beim Großteil der heimischen Bevölkerung wenig: 63 Prozent suchten die Praxis in den letzten Monaten gleich oft auf wie vor Covid-19. Gut 3 von 10 begaben sich jedoch seltener zum praktischen Arzt. Dabei scheint es sich in einigen Fällen durchaus um eine gezielte Vermeidungsstrategie gehandelt zu haben: 32 Prozent der Befragten berichten, in den letzten Monaten mindestens einmal trotz gesundheitlicher Beschwerden oder einer anstehenden Vorsorgeuntersuchung bewusst auf einen Arztbesuch verzichtet zu haben. Das eigene Anliegen sei nicht so dringend gewesen, begründen 56 Prozent diese Entscheidung. Knapp jeder Vierte hatte das Gefühl, dass ein Arztbesuch gerade nicht erwünscht wäre. Die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gab schließlich bei einem Fünftel den Ausschlag. Die größten diesbezüglichen Bedenken äußerten die 60- bis 79-Jährigen, unter denen 4 von 10 aus diesem Grund die Arzt-Praxis mieden. Insgesamt hält sich die Sorge vor einer Ansteckung beim Arztbesuch jedoch im Rahmen und ist beim derzeitigen zweiten Lockdown im Vergleich mit dem ersten sogar zurückgegangen: Im Frühling beunruhigte dies noch knapp 27 Prozent, aktuell kommt diese Angst nur bei gut jedem Fünften auf.

„Die heimischen Allgemeinmediziner scheinen die Lage rund um Covid-19 im Rahmen ihrer Behandlung und in ihren Praxen insgesamt gut zu managen. Zwei Drittel der Österreicher sind mit dem Umgang ihres Hausarztes mit der Corona-bedingten Sondersituation zufrieden. Noch höher sind die Zufriedenheitswerte in der Generation 40+“, erläutert Dr. Jürgen Kern. Hier stellen 7 von 10 der Ärzteschaft ein positives Zeugnis aus, unter den 20- bis 39-Jährigen hingegen nur jeder Zweite. Die gute Bewertung lässt sich in erster Linie auf die vorbildliche Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen zurückführen, das attestieren 69 Prozent der Befragten. Gut gelöst wurden aus der Sicht von knapp 6 von 10 auch die Terminvergabe sowie die Erreichbarkeit. Mehr als die Hälfte hält zudem sowohl die räumliche Situation als auch die Wartezeiten für angemessen.

 

„Auch im Falle einer vermuteten Covid-19-Infektion gilt der Hausarzt als relevante Ansprechperson. Die telefonische Gesundheitsberatung, die mit der Gesundheitsnummer „1450“ bereits in aller Munde ist, wäre für gut jeden Zweiten eine wichtige Anlaufstelle, danach folgt bereits der Allgemeinmediziner“, hält Lisa Patek von Marketagent fest. Mehr als ein Drittel würde beim Verdacht, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, den eigenen Hausarzt kontaktieren Unter den 70- bis 79-Jährigen setzen sogar 4 von 10 ihr Vertrauen in ihn. Auch den Corona-Test würde man am liebsten in der wohlbekannten Arztpraxis durchführen lassen. Knapp dahinter folgt als zweitbeliebteste Variante die Testung in den eigenen vier Wänden durch medizinisches Personal. Ein Fünftel bevorzugt zu diesem Zweck eine Teststraße.

Kompetent, aufmerksam, beratend – ein Hausarzt zum Wohlfühlen

Doch Hausärzte sind nicht nur in Corona-Zeiten unentbehrlich, sondern stellen generell bei gesundheitlichen Problemen eine wichtige Anlaufstelle für die Bevölkerung dar – mehr als jeder vierte Österreicher sucht bei leichten Erkrankungen gerne den Allgemeinmediziner seines Vertrauens auf. Das zeigte schon die erste Welle des Hausarzt-Reports im Jänner 2020, die noch unbeeinflusst vom Lockdown und weiteren Corona-Maßnahmen durchgeführt wurde. „Insgesamt haben sich der Stellenwert von Hausärzten sowie die Erwartungen der Bevölkerung an deren Auftreten, Behandlung und Erreichbarkeit von Jänner bis November trotz des Einflusses der Pandemie kaum gewandelt“, hält Thomas Schwabl fest. Grundsätzlich empfinden gut 6 von 10 die Menge an praktischen Ärzten in ihrer Umgebung als gut und ausreichend, in Wien sind sogar 70 Prozent mit der Versorgung zufrieden. Mehr als 9 von 10 haben einen festen Hausarzt, bei 87 Prozent handelt es sich dabei um einen Kassenarzt. Die Auswahl eines bestimmten Arztes wird einerseits aufgrund fachlicher, andererseits aufgrund menschlicher Kompetenzen getroffen. Fachkenntnisse stellen dabei das Hauptkriterium dar. Um sich gut aufgehoben zu fühlen, sollte der Allgemeinmediziner der Wahl im Idealfall aufmerksam zuhören, die jeweilige Diagnose verständlich und genau erklären und sich ausreichend Zeit nehmen. Die Befragten möchten nach ihrem Besuch jedenfalls genau Bescheid wissen, was nun zu tun ist. 38 Prozent würden sich hier noch etwas mehr Kommunikation auf Augenhöhe wünschen, jeder Dritte eine bessere Erklärung der Diagnose.

Die heimischen Hausärzte scheinen den Ansprüchen ihrer Patienten insgesamt weitestgehend gerecht zu werden, denn die Österreicher stellen ihnen ein positives Zeugnis aus. Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist bei 9 von 10 von Vertrauen geprägt, dementsprechend sind mehr als 8 von 10 Befragten auch durchaus zufrieden mit der Behandlung und Beratung.

Das ideale Hausarzt-Erlebnis und wie es sich seit Jänner verändert hat

Was erwarten und wünschen sich die Österreicher außerdem von einem Hausarztbesuch? Dieser sollte jedenfalls mit moderaten Wartezeiten einhergehen: Für einen Termin sind durchschnittlich 4 Tage noch in Ordnung, im Wartezimmer werden rund 39 Minuten als vertretbar empfunden. Der Geduldsfaden reißt jedoch bei 71 Minuten. Das Arzt-Gespräch dauert im Optimalfall knapp 13 Minuten. 45 Prozent würden ihren Arzt zudem gerne auch außerhalb der Ordinationszeiten erreichen können, wobei sich dieses Bedürfnis mit dem Alter tendenziell intensiviert. Darüber hinaus ist im Vergleich mit der ersten Welle im Jänner ein verstärkter Wunsch nach digitalen Diensten zu Zwecken der Administration und Kommunikation feststellbar, was womöglich mit den Erfahrungen in der Corona-Zeit in Zusammenhang steht. 4 von 10 würden sich über zusätzliche Möglichkeiten der Online-Termin-Vereinbarung freuen, im Jänner traf dies nur auf knapp ein Drittel zu. Auch ein Online-Video-Chat mit dem Hausarzt für eine erste Diagnose ist mittlerweile für 3 von 10 eine interessante Option, im Jänner galt dies nur für gut jeden Fünften. Um Arztbesuche noch komfortabler zu machen, wünschen sich die Österreicher zudem, verschiedene medizinische Leistungen an einer Anlaufstelle in Anspruch nehmen zu können, beispielsweise durch Kooperationen mit Labors (38%) oder Gemeinschaftspraxen (32%).

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