Female Empowerment

Eine Umfrage von Marketagent im Auftrag der Kunstkuratorin und Kulturmanagerin Ema Kaiser-Brandstätter zeigt, wie weit der Weg zur Gleichberechtigung in Österreich noch ist.

Mehr als jede*r Zweite*r denkt, dass Frauen in Österreich benachteiligt sind. Das hat eine repräsentative Umfrage des Online Research Instituts Marketagent im Auftrag der Kunstkuratorin und Kulturmanagerin Ema Kaiser-Brandstätter ergeben und damit aufgezeigt, wie weit der Weg zur Gleichberechtigung noch ist. Die Mehrheit der heimischen Bevölkerung empfindet es als notwendig, sich gegen diese Ungleichheit einzusetzen und fordert eine bessere finanzielle Absicherung von Frauen in der Pension und verstärkte Maßnahmen gegen Gewalt. Auch beim Thema Kinderbetreuung gibt es noch Aufholbedarf: Nur wenige sehen derzeit eine gute Vereinbarkeit von Kind und Beruf gegeben.

„Female Empowerment“, übersetzt so etwas wie Selbstermächtigung und Stärkung der Chancengleichheit von Frauen, ist mittlerweile in aller Munde und sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Die Mehrheit der Österreicher*innen (65%) verbindet mit dem Begriff jedenfalls etwas Positives und findet ebenfalls, dass es notwendig ist, sich für Gleichberechtigung einzusetzen (73%). Frauen weisen dem Thema allerdings einen höheren Stellenwert zu: 8 von 10 sehen die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern als wichtig an, während dies nur zwei Drittel der Männer denken.

Die österreichische Bevölkerung identifiziert gleich mehrere Bereiche, in denen Frauen als benachteiligt wahrgenommen werden: Allem voran ist das im Islam, aber auch weltweit gesehen der Fall (je 88%) sowie generell im Berufsleben (83%). Und: „6 von 10 Österreicher*innen sind der Auffassung, dass Frauen hierzulande nicht gleichberechtigt sind. Um die Selbstbestimmung und Chancengleichheit zu fördern, werden daher verschiedenste Schritte eingefordert. Als wirkungsvoll werden insbesondere eine bessere finanzielle Absicherung im Alter, mehr Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen (je 84%) sowie ein stärkerer Ausbau der Kinderbetreuung (81%) angesehen“, erläutert Marketagent Geschäftsführer Thomas Schwabl. Das Benutzen von gendergerechter Sprache wird hingegen als eher unbedeutend empfunden: Nur ein Viertel nimmt das Gendern als effektiv wahr.

Die Krux bei der Vereinbarkeit von Kind und Karriere

Die Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben wird keineswegs als einfach betrachtet. Nur knapp 3 von 10 Österreicher*innen meinen, dass sich Kind und Karriere gut unter einen Hut bringen lassen. 45% sind sogar der Ansicht, dass Kinder ein Hindernis für die Karriere darstellen. Durch die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind es in der Regel immer noch Frauen, die die Mehrheit an Betreuungspflichten übernehmen. Zumindest sieht das der weibliche Teil der Bevölkerung so, denn die Wahrnehmung geht bei diesem Thema stark auseinander: Während Väter der Meinung sind, dass im Durchschnitt 43% der Kinderbetreuung bei ihnen liegen, behaupten Mütter, dass sie weitaus mehr Zeit aufwenden, nämlich 76%. Damit ist man weit entfernt von einer ideal wahrgenommenen Aufteilung zwischen den beiden Elternteilen.

Female Empowerment aus der Kunst-Perspektive

Die Hauptaussage ist laut der Kunstkuratorin und Kulturmanagerin Ema Kaiser-Brandstätter mehr als klar: „Female Empowerment darf 2022 auf keiner politischen Agenda mehr fehlen. Das von der Untersuchung dargelegte Meinungsabbild zeigt, dass unabhängig vom Geschlecht die Notwendigkeit gesehen wird, sich für Gleichberechtigung zu engagieren“. Kaiser-Brandstätter selbst setzt sich seit langem in allen Lebensbereichen aktiv für Female Empowerment ein. „Die Ergebnisse der Studie untermauern, dass es in Österreich nach wie vor keine Gleichberechtigung der Geschlechter gibt. Es ist längst an der Zeit etwas gegen die systematische Benachteiligung von Frauen zu unternehmen – JETZT!“, so Kaiser-Brandstätter weiter.

Besonders in der Kunst, die immer schon die Speerspitze von Veränderungen war und gesellschaftliche Umwandlungsprozesse aufgezeigt hat, ist es nach wie vor besonders markant, wie relevant diese Themen sind.

Um auch zwei Künstlerinnen zu Wort kommen zu lassen, die durch ihre Tätigkeit selbst erfahren müssen, wie ungleich Chancen verteilt sind oder ihre Erfahrungen als Frauen zum Thema ihrer Kunst machen, haben wir Teresa Grandits und Soli Kiani um zwei Statements gebeten:

„Alles hat Ende nur der Einsatz für die Gleichstellung hat keins. Liberté, égalité, unité.“ – Teresa Grandits

„Wenn man die Künstler*innen- und Ausstellunglisten der Galerien und Museen durchgeht, kann man leicht feststellen, dass Gleichberechtigung im österreichischen Kunstbetrieb bei weitem noch nicht durchgedrungen ist. Aber dass die Künstlerinnen wie Valie Export oder Martha Jungwirth im Programm von Galerien wie Thaddaeus Ropac aufgenommen und auf internationalen Messen gezeigt werden, sehe ich als einen positiven (wenn auch langsamen) Schritt in die richtige Richtung!“ - Soli Kiani

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